Klassik Heute - Ihr Klassik-Portal im Internet

Über uns | Impressum | Kontakt | Sitemap

Suche

CD-Besprechung

Ophelia Songs

A Document in Madness

Ophelia Songs

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8

Klangqualität:
Klangqualität: 9

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Besprechung: 16.08.17

Telos Music TLS 186

1 CD • 57min • 2014, 2016

Ophelia, wohl die anrührendste Frauengestalt in Shakespeares Hamlet, bricht vor den Höflingen unmittelbar in Gesang aus: Zeichen für ihren Wahnsinn. Laertes sagt, Schwermut, Trauer und Leid mache sie singend zu Anmut und Artigkeit, englisch „a document in madness“. Dies zu vertonen hat viele Komponisten gereizt, die Kompositionen zu singen hat die Sopranistin Barbara Emilia Schedel gereizt. Sie hat daraus eine CD zusammengestellt mit Ophelia-Liedern von William Linley (1771-1835) bis Wolfgang Rihm (geb. 1952). Und sie hat da durchaus einen Schatz gehoben.

Vor allem, weil sie mit diesem Schatz gewuchert hat: Wenn es nicht schon Bearbeitungen für Streichquartett oder Klavierquintett gegeben hat, hat sie Joachim Draheim dafür gewonnen. Daraus sind dann fein abgetönte und reizvolle Klänge geworden, die diese Ophelia-hafte Mischung aus Schwermut und Anmut ausgezeichnet wiedergeben.

So klingt Herzeleid von Robert Schumann in dieser Adaption fast schon modern in seiner klanglichen Konzentriertheit, was auch an der Transkription für Streichquartett von Aribert Reimann liegt, La Mort d’Ophélie von Hector Berlioz dagegen ist eine ausgedehnte opernhafte Szene von traumentrückter Atmosphäre mit Wellenschlagen in der Instrumentalbegleitung, das Chanson perpétuelle von Ernest Chausson versenkt sich geradezu wollüstig in die morbide Szenerie, der sonst etwas sehr gerade Sopran von Barbara Emilia Schedel schwingt sich hier leidenschaftlich auf, wird in der Höhe allerdings dann eng. „Fein gewürzte Harmonik“ (so das sehr ausführliche Booklet) prägt die Ophelia-Ballade von Mario Castelnuovo-Tedesco, melodiös-gefällig und recht harmlos klingt dagegen Ophélie von Delphine Ugalde, einer französischen komponierenden Sängerin des 19. Jahrhunderts, mehr „sadness“ hat dafür das Lied von Roger Quilter (1877-1953), salonhaft-elegisch und rieselnd in der Klavierbegleitung ist La Mort d’Ophélie bei Camille Saint Saëns. Hier wünscht man sich für den Sopran der Sängerin mehr wandelbare Geschmeidigkeit und Wärme.

Abrisshaft herb sind die drei Lieder von Richard Strauss, in denen sich der Pianist Günther Albers bestens präsentiert, indem er die verschiedenen musikalischen Charakteristiken der einzelnen Lieder deutlich herausarbeitet. Da bietet die Sopranistin schöne Pianissimo-Höhentöne. Unter Hochdruck gerät der Sopran von Barbara Emilia Schedel im Ophelia-Lied von Dmitri Schostakowitsch, während das Cello lyrisch klagt. In dem Lied von Wolfgang Rihm wird der Sopran spitz, wiewohl die Sängerin die wahnhafte Atmosphäre mit dramatischem Sprechgesang gut trifft.

Kurz, melodisch anspruchslos, aber für die Bühne wohl am praktikabelsten sind die Fünf Ophelia-Lieder von Johannes Brahms, die von Aribert Reimann in eine schillernde Streichquartettbegleitung gekleidet wurden.

Diese Konzept-CD ist eine musikhistorische und musikdramaturgische kleine Schatztruhe, deren Wert wohl vor allem in der Finderlust von Barbara Emilia Schedel liegt und auch im schürfenden Vergleich von vielen Kompositionen, die sich demselben Thema widmen.

Rainer W. Janka [16.08.2017]

Bechsteinkonzert

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 R. Schumann Herzeleid op. 107 Nr. 1 00:02:00
2 W. Linley How should I your true love know (Shakespeare's Dramatic Songs Vol. II, London 1816) 00:02:06
3 Good morrow 'tis St. Valentine day (Shakespeare's Dramatic Songs Vol. II, London 1816) 00:00:41
4 They bore him barfac'd (Shakespeare's Dramatic Songs Vol. II, London 1816) 00:00:41
5 For bonny sweet Robin (Shakespeare's Dramatic Songs Vol. II, London 1816) 00:00:22
6 And will he not come again (Shakespeare's Dramatic Songs Vol. II, London 1816) 00:01:30
7 H. Berlioz La mort d'Ophélie op. 18 Nr. 2 (Ballade imitée de Shakespeare) 00:07:25
8 J. Brahms Wie erkenn' ich dein Treulieb WoO posth. 22,1 (Fünf Ophelia-Lieder) 00:00:48
9 Sein Leichenhemd weiß wie Schnee WoO posth. 22,2 (Fünf Ophelia-Lieder) 00:00:29
10 Auf morgen ist St. Valentins Tag WoO posth. 22,3 (Fünf Ophelia-Lieder) 00:00:54
11 Sie trugen ihn auf der Bahre bloß WoO posth. 22,4 (Fünf Ophelia-Lieder) 00:00:43
12 Und kommt er nicht mehr zurück? WoO posth. 22,5 (Fünf Ophelia-Lieder) 00:01:22
13 R. Quilter How should I your true love know? op. 30 Nr. 3 (1933 - aus: Four Shakespeare-Songs) 00:01:54
14 M. Castelnuovo-Tedesco How should I your true love know? 00:06:44
15 D. Ugalde Ophélia (Mélodie pour Soprano) 00:02:19
16 C. Saint-Saëns La Mort d'Ophélie (Ballade) 00:03:27
17 E. Chausson Chanson d'Ophélie op. 28 Nr. 3 00:01:59
18 R. Strauss Wie erkenn ich mein Treulieb vor andern nun? op. 67 Nr. 1 00:02:42
19 Guten Morgen, 's ist Sankt Valentinstag op. 67 Nr. 2 00:01:17
20 Sie trugen ihn auf der Bahre bloß op. 67 Nr. 3 00:03:31
21 D. Schostakowitsch Chant d'Ophélie op. 127 Nr. 1 00:02:54
22 W. Rihm They bore him barefaced on the bier op. 37 (Ohpelia Songs) 00:04:17
23 E. Chausson Chanson perpétuelle op. 37 00:06:49

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Barbara Schedel Sopran
Christoph Schickedanz Violine
Zoya Nevgodovska Violine
Maya Hunziker Viola
Emanuel Wehse Violoncello
Günther Albers Klavier
 
TLS 186;4260175850268

Bestellen bei jpc

 

Das könnte Sie auch interessieren:

 

⇑ nach oben

AGBs Impressum Kontakt Mediadaten Sitemap Datenschutz

© Klassik Heute

jpc