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CD-Besprechung

Claire Huangci

The Sleeping Beauty
Tchaikovsky Prokofiev Ballet Transcriptions

Berlin Classics 0300548BC

1 CD • 64min • 2012

28.08.2013

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Mit der 1990 geborenen Amerikanerin chinesischer Abstammung Claire Huangci betritt eine Musikerin von sozusagen kraftvoll-zerbrechlicher Statur das Podium internationalen Planens, Wollens, Bedenkens und zu gutem Ende auch des Gelingens. 2011 gelang es ihr, als jüngste Teilnehmerin des Münchner ARD- Wettbewerbs den Zweiten Preis zu erringen. Zuvor gewann sie 2009 und 2010 die Internationalen Chopin-Wettbewerbe von Darmstadt (! ) und Miami. Ausgebildet und ganz offensichtlich stark geprägt wurde die Pianistin, die im Alter von zehn Jahren die Ehre hatte, Bill Clinton in privaten Rahmen vorzuspielen, zunächst von Pädagogenpersönlichkeiten wie Eleanor Sokoloff und Gary Graffman. Dessen CBS-, bzw Columbia-, aber auch alle RCA-Einspielungen werden gerade in einer faszinierenden, 24 CDs umfassenden Sony-Box angeboten (88725462392 ) Vom Curtis-Institut in Philadelphia wechselte Huangci 2007 an die Musikhochschule Hannover, wo sie von Arie Vardi betreut wurde – ebenfalls eine erste Adresse im pianistischen Weltgeschehen. Aus Varies Meisterklasse sind namhafte Interpreten hervorgegangen, unter ihnen auch ein „Star" wie Yefim Bronfman.

Mit ihrer ersten CD geht Claire Huangci durchaus eigene Wege. Sie meidet das schöne, bedeutende, natürlich auf längere Sicht hin unverzichtbare Standard-Repertoire.Sie placiert statt dessen beliebte, aber von den Pianisten nicht so häufig gespielte Ballettnummern von Prokofieff und Tschaikowsky. Sie geben mit ihren mobilen, farblichen und gestischen Abläufen und Profilen reichlich Gelegenheit, die feinmechanischen und „darstellerischen" Facetten einer Prima Ballerina, aber auch die einer Charaktertänzerin auf Tasten sozusagen akustisch sichtbar zu gestalten. Claire Huangci leistet hier in den Übertragungen von Mikhail Pletnev und Prokofieff fachlich überlegte und pianistisch überlegene Arbeit, wobei der Faktor Arbeit wenn nötig auch mit den Faktoren Witz, Spaß, ja Übermut in Verbindung steht. Was die düsteren, tragischen Momente von Prokofieffs Shakespeare-Vertonungen anbelangt, erreicht Huangci nicht ganz jene Zonen von Besinnlichkeit an der imaginären Schwelle von Erbleichen und Erstarren, wie ich es vor allem von der in Auszügen vorliegenden Decca/Philips-Einspielung mit Vladimir Ashkenazy in Erinnerung habe („Romeo bei Julia vor dem Abschied"!). Dies mag auch daran liegen, dass es dem Klavierklang dieser Berlin Classics-Einspielung etwas an Fülle, gewissermaßen an einer kleinen Dosis an Fett auf den Tastenrippen fehlt. Ich betone aber nachdrücklich: dies schränkt den insgesamt vorzüglichen Eindruck lediglich in den ruhigeren Passagen ein. Wenn es hurtig und aufgeregt auf der „Bühne" zugeht, darf sich die Klavierchoreografin Huangci „auf Spitzen", als klavieristische Komikerin oder auch als gleichsam „gestiefelter" Tastenkater von ihren technisch und musikantisch besten Seiten zeigen.

Der „Tanz der Zuckerfeeì aus dem Nussknacker-Märchen wird seitens des Herausgebers als „Bonus" gemeldet. In Anbetracht von rund 64 Minuten Spieldauer eine recht sparsame Großzügigkeit, zumal das Stück nicht – wie bei einer Zugabe zu erwarten – am Ende der Werkfolge steht, sondern zwischen den Dornröschen und Romeo und Julia-Abteilungen.

Claire Huangci ist mit diesem Programm nicht nur via CD zu erleben. Die Einspielungen werden bei Berlin Classics auch auf Vinyl-Scheiben veröffentlicht (0300562 BC). Auf zwei LPs verteilt, weil der höheren Klangqualität wegen die Platten mit 45rpm abgespielt werden müssen. Diese Initiative zeigt, dass der Produzent sehr beweglich ist, was neuere Tendenzen auf dem Tonträgersektor betrifft, auch wenn sie von der Sache her rückwärts gerichtet sind.

Vergleichsaufnahmen: Prokofieff: Tacchino (Pierre Verany PV. 791022), Gawrilov (EMI LP 055 2903261), Wilhelm Ohmen (OPUS 27038), Bulva (Telefunken 6.42183 AW), Paley (Hänssler BLT-AP 10016), Bobby Chen (Somm CD 089), Christopher Park (DG 7596/476382-5), Raekallio (Ondine ODE 1103-20), Kellner (Bauer Studios Animato ACD 6131), Kuschnerova (ars musici AM 1215-2), Demidenko (Hyperion CDA 67018), Vinocour (Arte Nova 63636 2), Ghindin (Harmonia mundi RUS 288161), Mursky (Hänssler 98.412), Lugansky (Warner 256461255 2); Nr. 10 Romeo bei Julia vor dem Abschiedì: Ashkenazy (Great Pianists Philips 456 715-2).

Peter Cossé † [28.08.2013]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
1Dornröschen-Suite op. 66a 00:28:52
Peter Tschaikowsky
12The Nutcracker op. 71 00:02:01
Sergej Prokofjew
13Folkdance op. 75 Nr. 1 00:04:08
14Morning Street Scene op. 75 Nr. 2 00:01:38
15Arrival of the Guests op. 75 Nr. 3 00:02:46
16The Young Juliet op. 75 Nr. 4 00:03:51
17Masks op. 75 Nr. 5 00:02:06
18The Montagues and Capulets op. 75 Nr. 6 00:03:45
19Friar Laurence op. 75 Nr. 7 00:02:31
20Mercutio op. 75 Nr. 8 00:02:05
21Dance of the Girls with Lilies op. 75 Nr. 9 00:02:39
22Romeo bids Juliet farewell op. 75 Nr. 10 00:07:18

Interpreten der Einspielung

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