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CD-Besprechung

Felix Mendelssohn Bartholdy Lieder ohne Worte

cpo 777 519-2

2 CD • 2h 06min • 2009, 2010

11.04.2012

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

So manches Repertoire könnte ich mir derzeit von Michael Korstick vorstellen – eine Gesamtaufnahme der Lieder ohne Worte von Felix Mendelssohn Bartholdy jedoch ist ein überraschender Zug dieses aufregenden, immer wieder in seinem und in meinem Kollegenkreis polarisierenden Pianisten. Die beiden – schon von der Aufnahmetechnik her – gelungenen CDs überbringen mithin nicht nur geistreich-unterhaltsame, bilderreiche Musik im Sinne romantischer Edelminiaturen zwischen Haus- und Konzertsaalästhetik, sie enthalten auch eine gute Portion an Sprengstoff. Korstick begnügt sich nämlich nicht damit, das Wohlbekannte, das Heitere und das Luftige wie gehabt und damit kundenfreundlich an den Mann zu bringen.

Korstick holt aus jeder dieser Miniaturen das Höchste an Ausdruckskraft heraus, ja bisweilen presst er die an sich so unschuldig temperierten Stückchen bis zum letzten Blutstropfen ihrer zumeist fein gesponnenen Körperlichkeit aus. Das ist ein passioniertes Fliegen und Jagen, da ereignen sich Turbulenzen um eine an sich artige Jagdidylle, da stürmt es durch das Fenster einer schmachtend daheim Gebliebenen – und selbst der Frühling (op. 62,6) lässt nicht nur sein blaues Band flattern, sondern Korstick erinnert mit sanfter Bestimmtheit auch an dessen fröstelnde Qualitäten. Ich mag hier im Einzelnen völlig falsch liegen, da sich eine gestaltende, umtriebig forschende – also quellenversessene – Persönlichkeit nur in die Karten blicken lässt, wenn er diese schreibend vor uns ausbreitet.

Wer die Wiedergaben dieser Stücke in den Darstellungen etwa von Daniel Barenboim oder Daniel Adni kennt, der wird schon nach wenigen Takten der vielsagend-stummen Lieder op. 19b feststellen: Hier wird ernst gemacht, hier werden im Tänzerischen wie auf venezianischer Gondelfahrt, in sanfter Trauer (op. 62,3) wie im Besänftigten eines Wiegenliedes (op. 67,6) unmissverständlich die Umrisse, die farblichen Werte und die Bewegungsimpulse herausgearbeitet. Die verschiedenen Sammlungen wirken wie frisch gewaschen – und zuweilen sogar wie geschleudert und dann kalt gebügelt. Nicht anders verhält es sich mit Kosticks hoch erregter, in einigen Wendungen der „seriösen" Ausgangslage geradezu explosiver Deutung der Variationen op. 54. Sie sind mir von keinem anderen Interpreten so messerscharf und konstruktiv gespielt in Erinnerung. Dieser Einspielung sage ich manche hitzige Debatte voraus, aber was sollte alles künstlerische Beginnen, wenn sich daran nicht die Herzen und die Geister entzünden!

Vergleichsaufnahmen: Lieder ohne Worte: Barenboim (DG 423 931-2), Adni (EMI/LP), Rev (Hyperion 66221); Auswahl: A. Schiff (Decca 421 119-2).

Peter Cossé † [11.04.2012]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Felix Mendelssohn Bartholdy
1Variations sérieuses d-Moll op. 54 00:10:42
2Sechs Lieder ohne Worte op. 19b 00:15:43
8Sechs Lieder ohne Worte op. 30 00:16:44
14Sechs Lieder ohne Worte op. 38 00:14:04
20Sechs Lieder ohne Worte op. 53 00:15:42
CD/SACD 2
1Sechs Lieder ohne Worte op. 62 (Clara Schumann gewidmet) 00:13:32
7Sechs Lieder ohne Worte op. 67 00:13:40
13Sechs Lieder ohne Worte op. 85 00:12:30
19Sechs Lieder ohne Worte op. 102 00:12:57

Interpreten der Einspielung

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