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CD-Besprechung

DG 477 9882

1 CD • 46min • 2011

11.11.2011

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Da haben zwei zusammengefunden, die (auch musikalisch) aus unterschiedlichen Welten kommen und zudem knapp eine Generation auseinanderliegen: der italienische Pianist Maurizio Pollini, ein Intellektueller in seinem Fach, manchmal ein Grübler mit Neigung zu Tiefenbohrung, zudem mit offenem Ohr für die neuere Musik; sodann der eminent deutsche Dirigent Christian Thielemann, ein Anhänger der wohlbedachten Klanggebärde und zuhause in den Gefilden der deutsch-österreichischen Hoch- und Spätromantik. Das Ergebnis ist faszinierend, das Live-Dokument eines vielbejubelten Pfingstkonzertes in der Semperoper. In Dresden wird Thielemann zwar erst ab Sommer 2012 offiziell Chef der traditionsreichen Staatskapelle; aber er erscheint, nachdem Fabio Luisi „abserviert" worden ist, bereits ziemlich oft an seiner künftigen Wirkensstätte. Für Pollini seinerseits ist es zumindest die dritte Einspielung des 1. Klavierkonzertes von Johannes Brahms; seinerzeit hatte er es mit Karl Böhm und Claudio Abbado vorgelegt.

Schon im Orchestervorspiel des Kopfsatzes macht Thielemann seine Konzeption klar. Es ist ein sinfonisches Konzert, Brahms dachte ja wirklich zuerst an eine Sinfonie. Und es ist die Mutprobe eines jungen, 24jährigen und bisweilen sogar ungebärdigen Junggenies. Das heisst: die Musik soll energisch, sogar dramatisch sein – ein Fingerzeig, den Maurizio Pollini ganz direkt aufgreift. Keine Pseudo-Verinnerlichung, wenn die Musik ins Kraftstrotzende, bisweilen sogar ins Exaltierte ausbricht. Im 2. Satz, dem Adagio (laut Brahms' Aussage ein Porträt der geliebten Clara Schumann), übernimmt dann der Pianist die konzeptionelle Führung. Poesie, aber keine Sentimentalität; bestechende Klarheit auch in den emotionalen Gefilden. Thielemann tritt eher zurück, bemüht sich mit der ihm ausgesprochen willig folgenden Dresdner Staatskapelle um delikate Pianissimokultur. Das Rondo-Finale kann dann keine eigentliche Steigerung mehr bringen, so als wenn der große Atem leicht erlahmt wäre. Untadelig ist es dennoch, vielleicht eine Spur zu routiniert. Man bewundert es, selbst wenn das tönende Ergebnis bei aller Zügigkeit in einer gewissen Distanz bleibt.

Mario Gerteis † [11.11.2011]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Johannes Brahms
1Piano Concerto No. 1 d minor op. 15 for Piano and Orchestra 00:45:30

Interpreten der Einspielung

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