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CD-Besprechung

cpo 777 712-2

1 CD • 72min • 2010

30.11.2011

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Georg Alfred Schumann, mit dem berühmteren Herrn aus Zwickau weder genetisch verwandt noch verschwägert, erblickte am 25. Oktober 1866 im sächsischen Königstein das Licht der Welt. Er starb, als erster Deutscher von Theodor Heuss mit dem Großen Verdienstkreuz der Bundesrepublik ausgezeichnet und auch sonst hochdekoriert, am 23. Mai 1952 in Berlin, wo er sich in den Nachkriegsjahren – übrigens gemeinsam mit Hans Chemin-Petit und Sergiu Celibidache – erfolgreich um den Wiederaufbau eines manierlichen Musiklebens bemüht hatte. Als Kind einer vielgliedrigen Musikerfamilie war er natürlich schnell in die richtigen Bahnen geraten, die ihn nach dem Dresdner Anfangsunterricht über das Leipziger Konservatorium eines Carl Reinecke und Salomon Jadassohn als Chordirigent nach Danzig und Bremen führten, ehe er die Leitung der Berliner Singakademie übernahm. Als Pianist formierte er ein eigenes Klaviertrio, zu dessen erster Zusammensetzung Carl Halir an der Geige und Hugo Dechert am Violoncello gehörten. Seit 1918 war er Vizepräsident, seit 1934 Präsident der Preußischen Akademie der Künste, an der er zudem über dreißig Jahre die Meisterklasse für Komposition leitete.

Das knappe biographische Material sei vorausgeschickt, um jedem historischen Verdacht gleich am Anfang zu begegnen: Es ist nicht anzunehmen, dass der Vierzehnjährige durch die Straßen Wiens streunte und in der Karlsgasse Nr. 4 wartete, bis Johannes Brahms, der oben gerade an seinen Klaviertrios C-Dur op. 87 und Es-Dur arbeitete, das letztere aus dem Fenster beförderte, weil er, der ewige Selbstkritiker, mit den Entwürfen nicht zufrieden war. Verführerisch genug wäre die Vorstellung dennoch, wie da ein kleiner musikalischer Notenräuber sich der verstreuten Blätter bemächtigte und bald zwanzig Jahre später, nach der Transposition des Stückes um einen Ton aufwärts, das erste seiner beiden eigenen Klaviertrios komponierte ...

Interessanterweise aber wirkt dieses 1899 entstandene Opus 25, so voller Brahms und Schumann es auch ist, nicht einmal wie ein abgestandenes Epigonat. Zwar werden wir es, wie Meister Johannes einst das Bruchsche g-Moll-Konzert, im Stehen goutieren müüssen, weil man der vielen Bekannten wegen ständig zu grüßen hat, doch man kann goutieren – als sähe man dem versunkenen Spiel eines ernsthaften Kindes zu, das sich mit seinen glänzenden Murmeln beschäftigt, wohingegen das zweite, siebzehn Jahre später geschaffene F-Dur-Trio op. 62 mir wie die Erinnerungen eines Mannes vorkommen, der noch weiß, dass er einst mit Murmeln gespielt hat. Da flirrt freilich auch schon das eine oder andere Körnchen Gold, wie‘s der Wiener Wunderknabe Erich Wolfgang nachher besonders in seiner großen Sinfonie verteilte; und es hüpft tatsächlich, wie im beiliegenden Kommentar zur Produktion richtig bemerkt, der Richard Strauss des Till Eulenspiegel durchs Finale. Geradezu närrisch macht mich der dritte Satz: Ich kenne dieses Lied, das dem zauberhaften Allegretto zugrunde liegt – aber so sehr ich auch meine inwendigen Datenbanken bemühe, es will mir nicht einfallen, woher! Skandinavisch könnte es sein, eine Art Griegs-Erklärung, oder Sibelius ...? Dieses kleine, bislang ungelöste Rätsel sollte allerdings nicht der einzige Grund sein, sich mit den beiden Kammermusiken Georg Schumanns näher zu befassen. Sie sind, zumal sie auch weitestgehend erfreulich engagiert ausgeführt wurden, in jedem Falle ein fester Punkt, auf dem das Standbein für weitere Ausgrabungen Halt findet.

Rasmus van Rijn [30.11.2011]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Georg Schumann
1Trio Nr. 1 F-Dur op. 25 für Violine, Violoncello und Klavier 00:36:25
5Trio Nr. 2 F-Dur op. 62 für Violine, Violoncello und Klavier 00:35:05

Interpreten der Einspielung

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