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CD-Besprechung

Hyperion CDA67687

1 CD • 63min • 2009

08.12.2010

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Wie soll man am besten das zwanzigminütige Bratschenkonzert von Béla Bartók ergänzen? Die vorliegende Aufnahme hält eine fast schon geniale Kombination bereit, nämlich einen ungarischen Schulterschluss. Mehr noch: alle drei Komponisten aus der Alten Welt waren in die USA verschlagen worden und liessen sich musikalisch von ihrer Heimat Ungarn doch keineswegs abnabeln. Das heikelste Stück ist zugleich das berühmteste, denn Béla Bartóks letzte Komposition blieb bei seinem Tod im September 1945 unvollendet. Sein Freund und einstiger Assistent Tibor Serly sorgte für die Fertigstellung – „prepared for publication from the composer’s original manuscript“ heisst es in der gedruckten Partitur. Serlys Arbeit, die manche Ergänzungen wie auch die Instrumentation umfasste, ist keineswegs unumstritten; der ungarische Musikwissenschafter und Bartók-Forscher György Kroó jedenfalls nannte das Ergebnis „eine Komposition von Tibor Serly, geschrieben auf Grund von Themen, Skizzen und Ideen Béla Bartóks“.

Da lag es fast auf der Hand, mit der kurzen Rhapsodie für Viola und Orchester ein originales Werk von Tibor Serly hinzuzufügen, das ebenfalls in den mittleren vierziger Jahren entstanden ist. Was heisst da übrigens „original“? Der ziemlich rätselhafte vollständige Titel nämlich lautet „Rhapsodie über ungarische Volksmelodien, harmonisiert von Béla Bartók“. Da ist der Fall beim dritten und längsten Stück dieser CD zumindest klar. Denn auch Miklós Rózsa verwendet in seinem 1984 vollendeten Bratschenkonzert ungarisierende Elemente, immerhin nicht von Bartók bezogen – vom düsteren Pathos des Kopfsatzes über das Nocturne des langsamen Teils bis zum hektischen Finalausklang. Rózsa war ein ausgesprochen eloquenter Komponist und ist vor allem für seine mehr als hundert Filmpartituren (inklusive drei Oscars) bekannt. Daneben pflegte er entschlossen die konzertanten Genres, und dies nicht nur mit erlesenem Raffinement, sondern auch mit bemerkenswertem Einfallsreichtum. Ein romantischer Spätling mit durchaus eigener Handschrift.

Auf jeden Fall bieten diese drei Stücke dem Bratschen-Solisten manch dankbare Möglichkeit zwischen melancholischer Verinnerlichung in den Adagio-Sätzen von Bartók wie Rózsa und heftiger Ausgelassenheit in den tänzerischen Folklore-Huldigungen. Der Engländer Lawrence Power weiß solche Vorgaben zu nutzen. Gerade Bartók hatte den (für William Primrose geschriebenen) Solopart seines Konzertes als „recht virtuos“ und sogar „unbequem“ definiert. Power zeigt keine Probleme, weder in der Versunkenheit der introvertierten Passagen noch im rabiaten Sechzehntel-Rausch des Vivace-Finales. Immer steht er dabei im Vordergrund, möglicherweise eine Spur zu aufdringlich. Das norwegische Orchester aus Bergen unter dem Amerikaner Andrew Litton, seinem Chef seit 2003, pendelt zwischen grellen Akzenten und auffallender Diskretion (was auch auf die Aufnahmetechnik zurückzuführen sein mag). So verschluckt – dies als Beispiel – die Bratsche die mit ihr korrespondierenden Holzbläser in den Takten 48 bis 51 des ersten Satzes weitgehend. Sollte das damit zusammenhängen, dass die Solostimme und eben nur gerade sie von A bis Z von Bartók selber stammt?

Mario Gerteis † [08.12.2010]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Miklós Rózsa
1Konzert op. 37 für Viola und Orchester 00:32:31
Béla Bartók
5Konzert op. posth. Sz 120 für Viola und Orchester 00:21:33
Tibor Serly
8Rhapsodie für Viola und Orchester 00:08:54

Interpreten der Einspielung

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