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CD-Besprechung

Georg Philipp Telemann

Quatuors Parisiens Vol. 1

cpo 777 375-2

1 CD • 59min • 2006

06.04.2009

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Die so genannten Quatuors Parisiens sind ein hervorragendes Beispiel für die Auseinandersetzung Telemanns mit den zwei tonangebenden Nationalstilen des Barock, dem italienischen und französischen, sowie mit deren typischen Gattungen, dem Konzert und der Suite – eine Auseinandersetzung, die in der Verschmelzung beider Stile gipfeln sollte. Doch führt die inzwischen allgemein gebräuchliche Bezeichnung dieser großartigen, mit Reizen unterschiedlicher Art geradezu verschwenderisch umgehenden kammermusikalischen Kostbarkeiten als Pariser Quartette gleich zweimal in die Irre. Mit einem Quartett im herkömmlichen Sinn haben diese Werke kaum etwas gemein. Den drei konzertierenden Instrumenten Flöte, Violine und Gambe (oder Violoncello) an die Seite gestellt ist ein Continuo, bestehend aus Cembalo, eventuell noch einem zusätzlichen Saiteninstrument. Und Paris? Sechs der insgesamt zwölf Quartette hatte Telemann 1730 unter der Bezeichnung Quadri in Hamburg veröffentlicht. Es handelt sich dabei um je zwei Konzerte, Sonaten und Suiten – eine Sammlung, in der sich italienische und französische Stilmerkmale noch gegenüberstehen. Anlässlich der Paris-Reise Telemanns und aufgrund des Erfolges, den seine Hamburger Quartette dank einer 1736 veröffentlichten französischen Raubkopie in Paris feierten, entstanden 1737/38 schließlich sechs als Quatuors Nouveaux titulierte Suiten. In ihnen verbindet Telemann nun auf höchst kunstvolle Weise französische und italienische Stilcharakteristika, harmonische Kühnheiten, melodisch und rhythmisch eher kleingliedrige Gestalten mit konzertierenden Elementen – und überführt all das in eine grandiose Satzdichte.

Grandios muss man auch die Inspiriertheit sowie Leichtigkeit nennen, mit der John Holloway (Violine), Linde Brunmayr-Tutz (Flöte), Lorenz Duftschmid (Gambe), Ulrike Becker (Violoncello) und Lars-Ulrik Mortensen (Cembalo) eben diese Merkmale auf Vol. 1 ihrer Einspielung der Pariser Quartette beleuchten. Schon in dem zu den Hamburger Quadri gehörendem Concerto D-Dur TWV 43:D1, in seinen ständig wechselnden Stimmkopplungen und eng verzahnten Imitationen, schenken die Interpreten jeder einzelnen Phrase ihre ungeteilte Aufmerksamkeit, ohne dass sie der Gefahr erliegen, eher „Nebensächliches“ über Gebühr zu betonen. Ein in jeder Sekunde spannendes Kommunizieren legen sie genauso in der kontrapunktisch etwas strenger gearbeiteten Sonata A-Dur TWV 43:A1 (ebenfalls aus der Hamburger Quadri-Sammlung) an den Tag und beeindrucken darüber hinaus mit feinsten dynamischen und farblichen Schattierungen. Fast schon müßig zu erwähnen, dass auch in der Wiedergabe der beiden zwischen kammermusikalischer Intimität und fast schon orchestraler Klangfülle sich bewegenden Quartuors bzw. Suiten a-Moll TWV 43:a2 und e-Moll TWV 43:e1 aus den Pariser Nouveaux Quatuors einfach alles passt. Man höre nur, wie organisch und überlegen die Alte-Musik-Spezialisten das Miteinander einer majestätischen Ouvertüre und eines lichten Konzertsatzes in der Allégrement-Eröffnung des a-Moll-Quatuors gestalten. Oder wie sie – wohin man auf dieser CD auch springen mag – Tiefsinnigkeit mit Sinnesfreude kombinieren und damit zu einer Lesart des So-und-nicht-anders gelangen. Wenn das keine Referenzeinspielung ist! Schade nur, dass im deutschen Text des Booklets (nicht in den englischen und französischen Übersetzungen) die Biographie des Cembalisten Lars-Ulrik Mortensen fehlt.

Christof Jetzschke [06.04.2009]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Georg Philipp Telemann
1Streichquartett D-Dur TWV 43:D1 (Nr. 2 aus Quadri) 00:10:25
4Streichquartett a-Moll TWV 43:a2 (Nr. 2 aus Nouveaux Quatuors) 00:18:01
10Sonata a-Moll TWV 43:A1 (Nr. 3 aus Quadri) 00:10:57
11Streichquartett e-Moll TWV 43:e1 (Nr. 6 aus Nouveaux Quatuors) 00:18:52

Interpreten der Einspielung

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