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DVD-Video-Besprechung

Arthaus Musik 101 439

2 DVD-Video • 3h 35min • 2007

29.02.2008

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Eine Lanze gilt es zu brechen für den letzten großen Romantiker des 20. Jahrhunderts: Sergei Rachmaninoff, dem in Deutschland (im Gegensatz zu den angelsächsischen Ländern) bis heute das Etikett „Salonkomponist“ anhängt – ein Umstand, an dem (wieder einmal) Theodor W. Adorno nicht unschuldig ist, dessen ideologisch gefärbte Urteile noch immer durch die Köpfe deutscher Musikwissenschaftler und Rundfunkmoderatoren spuken. Im Falle von Rachmaninoff beruht das Vorurteil heutzutage überwiegend auf unzureichender Kenntnis seines Oeuvres, das eben nicht nur aus ein paar eingängigen, leicht konsumierbaren Klavier-Piècen besteht.

Doch dieser Film ist mehr als die Ehrenrettung eines verkannten Künstlers. Erfolgsregisseur Enrique Sánchez Lansch („Rhythm is it !“) hat ihn auf drei Ebenen angelegt, die scheinbar nebeneinander her laufen und sich doch auf subtile Art gegenseitig befruchten. Die erste bietet eine psychologische Studie über den Beruf des Orchestermusikers. Die Kamera fokussiert einzelne Instrumentalisten unterschiedlichen Dienstalters – beim Spielen, beim Hören, in der Pause, holt sie ganz nah heran in Momenten der Konzentration und der Entspannung – und dann kommen sie zu Wort. Nachdenkliche, sehr ehrliche Äußerungen über den Musiker-Beruf, das Verhältnis zu den Kollegen im Kollektiv, Erfahrungen und Lebensperspektiven.

Dann ist da Semyon Bychkov, der von dem Menschen und Künstler Rachmaninoff erzählt, ein sehr persönliches, aber dadurch umso anrührenderes Porträt, das durch historisches Filmmaterial veranschaulicht wird. Und schließlich die Musik, die so ganz anders ist, als das Klischee erwarten lässt.

Semyon Bychkov hat drei wenig bekannte große Werke ausgesucht, die entscheidende Punkte im Leben und Schaffen des Komponisten markieren: die zweite Sinfonie, entstanden 1909 nach einer dreijährigen Schaffenspause, die durch den Misserfolg seiner Ersten verursacht war, die Chor-Sinfonie Die Glocken von 1913, voll düsterer Vorahnung des Ersten Weltkriegs, und die Sinfonischen Tänze, das letzte Werk des in die USA emigrierten Russen. (Zu den Glocken und den Sinfonischen Tänzen gibt es jeweils Dokumentation und komplette Aufführung, die Sinfonie ist als Konzertmitschnitt zwischengeschaltet).

Gewiss, auch hier gibt es die gefühlvoll schwelgenden Melodien, doch es gibt auch Grotesken à la Prokofieff, ironische Walzerklänge, die an Ravel denken lassen, und einsame, verlorene Bläserstimmen wie bei Gustav Mahler. Das vokal-sinfonische Poem Die Glocken nach einem Text von Edgar Allen Poe entwirft mit seinen Sätzen „Schlittenglocken“, „Hochzeitsglocken“, „Alarmglocken“ und „Totenglocken“ ein großes Panorama des menschlichen Lebens. Die Anteilnahme spricht aus den Gesichtern der Musiker und klingt aus dem Spiel des WDR-Orchesters. Und auf geheimnisvolle Weise bewirken Interviews und Dokumentation, dass man die Musik mit anderen Ohren hört: Sie spricht von uns, von unseren Befindlichkeiten, unserem Fühlen und Denken, von menschlichen Sehnsüchten, Hoffnungen und Enttäuschungen. Dies unmerklich wieder ins Bewusstsein gerufen zu haben, ist – über den hohen Informationswert in Sachen Rachmaninoff hinaus – das besondere Verdienst des Filmes.

Sixtus König † [29.02.2008]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Sergej Rachmaninow
1Die Glocken op. 35
2Sinfonie Nr. 2 e-Moll op. 27
CD/SACD 2
1Sinfonische Tänze op. 45 für Orchester

Interpreten der Einspielung

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