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CD-Besprechung

Naxos 8.559417

1 CD • 65min • 2000, 1998

28.07.2005

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 7
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 5

Im Laufe ihrer Geschichte seien die Juden, so schreibt Lowell Milken, der Gründer und Sponsor des Milken Archive, in alle Winde zerstreut worden, wobei sie Elemente ihrer jeweiligen Wirtskulturen absorbiert hätten, ohne ihre eigene Kultur zu verlieren. Die vorliegende CD versucht offenkundig ein Beispiel dafür zu liefern – und das mit zwei Werken, die Ernst Toch im Abstand von 25 Jahren komponierte: die Kantate von den bittern Kräutern (1938) und die Sinfonische Dichtung Jephta (1963), die Toch als seine fünfte Sinfonie zählte.

Mit Bedacht bezeichne ich, was uns hier vorgelegt wird, als einen Versuch. Denn wem hier was bewiesen werden soll, kann ich beim besten Willen nicht entscheiden. In dem einsprachig-englischen Booklet gibt es neben zwei Vorworten zwar umfängliche Biographien Ernst Tochs und der Mitwirkenden (von denen der Schauspieler Theodore Bikel und der Dirigent Gerard Schwarz die prominentesten sein dürften) sowie den Abdruck des Textes, der vom Auszug der Israeliten aus Ägypten berichtet; viel erfahren wir auch über die Entstehungsgeschichte und Hintergründe der Kantate. Wie es aber möglich ist, daß ein Komponist von Tochs Kaliber ausgerechnet das dramatische Potential des Exodus in einen Kitsch kleidet, gegen den selbst Schostakowitschs Lied von den Wäldern tiefgründigste Kunst ist – um die Antwort auf diese naheliegende Frage macht der „international anerkannte Wissenschaftler” Neil W. Levin in seinem Artikel einen auffallenden Bogen. Was bliebe ihm auch anderes übrig? Vertauschte man die Gesangstexte mit irgendeiner x-beliebigen Herz-Schmerz-Lyrik, so ließe sich damit jeder tränenreiche Hollywood-Klassiker bestücken, und beim jubilierenden Schlußchor sehe ich fatalerweise weniger das befreite Volk Israel als vielmehr ein Heer tatkräftiger Bahnarbeiter der Union Pacific, das mit Spitzhacken, Schaufeln und anderm nützlichen Gerät in die Abendsonne marschiert, um dem wilden Westen die Schwellenangst zu nehmen.

Von deutlich anderem Kaliber ist die fünfte Sinfonie Jephta, die Ernst Toch ein Jahr vor seinem Tode vollendete. Wieder werden wir zwar mit einer klugen Abhandlung über den Mythos, seine Deutung und Auslegung beglückt, deren ganze Tiefe wohl nur zu begreifen vermag, wer zumindest einen Grundkurs über das Judentum absolviert hat; doch dafür ist das knapp halbstündige Werk weitaus genießbarer als die überzuckerte Kantate von den bittern Kräutern – eine ernste, kantige, auch ohne jegliche programmatischen Kenntnisse als rhapsodische Sinfonie erkennbare Komposition, die, wie uns der Autor unnötigerweise am Ende seines langwierigen Elaborats über Jephta in Geschichte und Gegenwart verrät, aus einem Wechsel von kurzen lyrischen Passagen und frischeren dramatischen Abschnitten besteht. Da kommen wir schon selbst drauf ...

Die für diese Veröffentlichung verantwortlichen Kreise sollten sich vielleicht einmal Gedanken über ihre Zielgruppe und ihre mit der Reihe American Jewish Music verfolgte Absicht machen. Bis dahin sei jedem, der sich ernsthaft für Ernst Tochs Musik interessiert, zu den sinfonischen Produktionen des Labels cpo geraten.

Rasmus van Rijn [28.07.2005]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Ernst Toch
1Cantata of the Bitter Herbs
2Sinfonie Nr. 5 (Jephta, Rhapsodische Dichtung)

Interpreten der Einspielung

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