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CD-Besprechung

Capriccio 60 106

1 CD • 37min • 2000

03.12.2004

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 7
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 7

Richard Wagners Ideal vom Gesamtkunstwerk gewann mit der Erfindung der Kinematographie, die er nicht mehr miterleben konnte, neue Möglichkeiten, die seit den 1920er Jahren von den Komponisten zunehmend genutzt wurden. Das prominenteste Beispiel ist Paul Claudels und Darius Milhauds Christophe Colomb, 1930 an der Berliner Staatsoper vom gleichen Leitungsteam (Erich Kleiber, Franz Ludwig Hörth, Panos Aravantinos) realisiert wie fünf Jahre zuvor am gleichen Ort Bergs Wozzeck. Und auch die einaktige Oper Royal Palace von Kurt Weill wurde dort von dieser Trias aus der Taufe gehoben, am 2. März 1927, dem 27. Geburtstag des Komponisten.

Das Royal Palace ist ein Nobelhotel an einem nicht näher bezeichneten italienischen See, wo sich Dejanira (in der griechischen Mythologie die Frau des Herakles) mit ihrem wortkargen Ehemann niederläßt, verfolgt von einem abgelegten Liebhaber und einem neuen Verehrer, der sich berechtigte Hoffnungen macht. Doch angewidert von den Besitzansprüchen und der Verstäändnislosigkeit der Männer stürzt sie sich am Ende in die Fluten. Der elsässische Schriftsteller Yvan Goll, damals ein Kopf der literarischen Avantgarde, hat diese Fabel in einen stellenweise kryptischen Text üübertragen, in dem sich verschiedene Stilebenen überschneiden. Diesem Pluralismus entspricht auch die Musik Weills, der den Opernton mit Jazzelementen vermengt, dem Tänzerischen neben dem Gesang gleichberechtigten Raum gibt. Vor allem der Tango bestimmt die Motorik des szenischen Ablaufs. Als Intermezzo fungiert eine (vertonte!) Filmszene, die Dejanira als Vertreterin des modernen Jet-Set zeigt, in Nizza, in Konstantinopel, in Rußland und am Nordpol.

Da das Stück nicht abendfüllend ist, wollte Weill ihm die szenische Kantate Der neue Orpheus voranschicken, deren Text ebenfalls von Goll stammt. Es handelt sich um ein zwischen Chanson und Oper changierendes Monodram, in dem der Sopranistin eine Solo-Violine beigesellt ist. Orpheus kommt im Berlin der 20er Jahre an, muß sich dort als Klavierlehrer, Kino- und Zirkusmusiker und Leiter von Veteranenchören durchs Leben schlagen und wählt schließlich wie Dejanira den Freitod. Das ist freilich die einzige Parallele zu der Oper, denn in dieser traurigen Großstadt-Odyssee überwiegen die ironischen und satirischen Töne.

Bei der BBC hat man den 100. Geburtstag des Komponisten zum Anlaß genommen, die beiden frühen Werke wieder zur Diskussion zu stellen. In der von Weill gewünschten (aber nicht verwirklichten) Kopplung liegen sie nun erstmals auf CD vor. Das Orchesterspiel unter Sir Andrew Davis ist vorzüglich, auch in den zahlreichen U-Musik-Passagen. Die sängerischen Leistungen sind adäquat, doch der englische Akzent, insbesondere bei den Damen, trübt die Freude an diesen Ausgrabungen doch ein wenig. Eine weitere, noch idiomatischere Einspielung, wäre deshalb durchaus der Mühe wert.

Ekkehard Pluta [03.12.2004]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Kurt Weill
1Royal Palace (Oper in einem Akt)
2Der neue Orpheus op. 16 für Sopran, Solovioline und Orchester

Interpreten der Einspielung

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05.10.2004
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