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CD-Besprechung

Supraphon SU 3695-2

1 CD • 73min • 1957, 1954

16.11.2004

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 6
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 7

Die Nr. 35 aus der goldenen Karel Ancerl-Edition des Labels Supraphon beginnt mit einem ganz unmusikalischen Ärgernis: Wenn man das 48seitige Booklet aus der Hülle zieht, zerfranst das schöne Druckerzeugnis – und der Versuch, es wieder an die gehörige Stelle zu verbringen, erweist sich als noch zerstörerischer. Diese Enge ist um so weniger verständlich, als die CD mit einer Umverpackung geliefert wird, die man für ein separat beigelegtes Heft nur ein wenig hätte erweitern müssen ...

Aus musikalischem Blickwinkel ist an der Veröffentlichung freilich nichts auszusetzen, und das, obwohl Ladislav Vycpáleks Kantate von den letzten Dingen des Menschen und Otokar Ostrcils Suite für großes Orchester c-Moll hinsichtlich ihrer unterschiedlichen Stilistik nicht wirklich zusammenpassen wollen. Doch was verschlägt’s, wenn man auf einer Scheibe gleich zwei Entdeckungen erhält?

Da ist zunächst die rund dreiviertelstündige, vierteilige Kantate auf Texte aus der mährischen Volkspoesie, das erste von drei großen chorsinfonischen Werken, die Ladislav Vycpálek zwischen 1920 und 1940 komponiert hat – eine durch und durch überraschende, harmonisch am Vorbild der mährischen Volksmusik orientierte Abhandlung über den Tod, der es trotz des ernsten Gegenstands an humoristischen Einfällen nicht fehlt: Am Ende des ersten Teils schildert der Chor den Streit der Verwandten um das Erbe, im Zentrum des zweiten Abschnitts hören wir ein diabolisches Scherzo, an dem der damals gerade sechzehnjährige Schostakowitsch seine helle Freude gehabt hätte. An dritter Stelle folgt ein großer Dialog zwischen Seele (Sopran) und Leib (Bariton), in dem besonders die eindrucksvolle, strahlende und doch leichte Stimme von Drahomíra Tikalová ihrer Partie gerecht wird. Den Beschluß bildet ein ergreifender Chor über die Frage „Was ist der Mensch?“, die hier aber nicht in barock-weltschmerzlichem Sinne, sondern von zuversichtlich-tröstlichem Hymnus à la Mahler beantwortet wird. Verbunden sind die vokalen Abschnitte durch fantasievolle, brillant instrumentierte Orchesterzwischenspiele, die man an sich schon als kleine Meisterwerke wird bezeichnen müssen.

Rund zehn Jahre älter ist die Suite von Otokar Ostrcil, der – wie der Verfasser des Einführungstextes einräumt – sogar in seiner tschechischen Heimat bis heute unter Wert gehandelt wird, obwohl er nicht nur als Komponist, sondern auch als Dirigent und Opernchef am Prager Nationaltheater bedeutende Taten vollbracht hat. Neugierig macht die Suite in jedem Fall, denn sie spricht von einem recht individuellen Vertreter der frühen Moderne, der in den fünf meist asymmetrisch geformten Sätzen eine Sprache spricht, die sich allenfalls in der an dritter Stelle stehenden Variationsfolge noch eines gewissen romantischen Vokabulars bedient, ansonsten aber trotz gewisser „mahlerischer” Motive und regerscher Verdichtungen einer schroffen, bisweilen geradezu sachlichen Linienführung den Vorzug gibt. Das große Orchester wird dabei nur selten zu auftrumpfenden Tuttiwirkungen, sondern hauptsächlich zur Erzielung unterschiedlichster und feinster Facetten verwendet, bis dann die Schlußfuge gelegentlich doch die Muskeln spielen läßt, während ihr quirlig-filigranes Thema dem Ende eines beachtlichen Werkes entgegenwirbelt.

Über die Authentizität der Einspielungen aus den Jahren 1957 (Vycpálek) bzw. 1954 (Ostrcil) wird wohl kaum zu debattieren sein, und so sollte man sich nicht scheuen, ein wenig tiefer in die beiden Entdeckungen hineinzuhören – ungeachtet des historischen Monoklangs, den selbst das beste Remastering nicht beseitigen kann.

Rasmus van Rijn [16.11.2004]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Ladislav Vycpálek
1Cantata of the Last Things of Man op. 16 (1920/1922)
Otakar Ostrcil
2Suite c-Moll op. 14 für großes Orchester (1912)

Interpreten der Einspielung

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