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CD-Besprechung

cpo 777 022-2

1 CD • 76min • 2003

10.08.2004

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 7
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 7

Wieder eine Operette aus den zwanziger Jahren, die nach altem Brauch als die „goldenen“ bezeichnet werden. Das dreiaktige Werk Die Perlen der Cleopatra von Oscar Straus gehört jedoch keiner „goldenen“, auch kaum mehr der „silbernen“ Wiener Operettenära an, es markiert bereits jene Periode, in der das einstmals florierende Genre sich dem Zustand der Auflösung näherte. Die Operette nach einem Libretto des damals unermüdlich tätigen Duos Julius Brammer und Alfred Grünwald erlebte 1923 ihre erste Aufführung in Wien, im Jahr danach folgte Berlin.. Die Plattenaufnahme des Stücks, die nun von cpo vorgestellt wird, beruht auf der Berliner Fassung. Es handelt sich um eine Antiken-Parodie im Stile Offenbachs, die männer-verzehrende Königin wird als mondäne und moderne Lebedame dargestellt. Die Musik bewegt sich ganz im Milieu der Entstehungszeit, bringt Jazz-Anklänge und läßt die damals gängigen Tanz-Rhythmen vernehmen. Oscar Straus, einer der talentiertesten Musiker aus dieser Operetten-Endphase, hat sich zu der recht simplen Handlung einige schmissige Melodien einfallen lassen. Das „krönende“ Sololied oder Duett, das oft die Entscheidung über den Erfolg des Stücks herbeiführt, ist zwar nicht darin enthalten, dafür gibt es einige recht pfiffige und muntere Schlager, die man auch heute noch mit Vergnügen hört. Was ein wenig die Freude mindert, sind gewisse Textstellen mit ihrer mehr oder minder verdeckten Obszönität (auch das ist ein Symptom des Zeitalters), ebenso hört man die etwas weit hergeholten Anspielungen auf Mussolini und Hitler heute mit gemischten Gefühlen.

Der Aufnahme ist ein ausführlicher Text von Peter P. Pachl beigegeben, der eine Menge Informationen über die Straus-Operette mitteilt und eine detaillierte Beschreibung jeder einzelnen Musiknummer liefert. Vielleicht etwas allzu detailliert, denn es wäre wohl nicht notwendig gewesen, die jeweiligen Tonarten und sogar auch die Tonartenwechsel aufzuzählen. Auch geht Pachl in seinem Enthusiasmus wohl etwas zu weit, in diesem Fall von einem „Meisterwerk“ zu sprechen. Trotzdem verdient die sorgfältige Behandlung eines – oft geringschätzig bewerteten – Themas Anerkennung.

Die musikalische Wiedergabe geschieht durch das Ensemble der Operetten-Festspiele im österreichsichen Kurort Bad Ischl. 2003 wurde die Oscar Straus-Operette dort gespielt, die Aufnahme entstand im Studio und enthält nur die Musiknummern. Sänger und Musiker sind mit bestem Engagement bei der Sache, strengere Beurteilung verbietet sich bei einer kleinen Sommerbühne von selbst. Daß bei den ersten Aufführungen in Wien und Berlin Bühnenkünstler wie Richard Tauber, Fritzi Massary, Max Pallenberg und Hans Albers mitwirkten, soll nur als historisches Faktum erwähnt werden. Immerhin gelingt ein gut erkennbares Porträt einer alten und wohl auch veralteten Operette. Unter den Sängern ragt Volker Vogel als routinierter Akteur hervor, auch Gundula Peyerl läßt in einer Nebenrolle hübsche Soprantöne vernehmen. Die Sängerin der Titelrolle, Morenike Fadayami, hat einige Mühe, ihr dickflüssiges Organ in Schwung zu bekommen, die beiden Tenöre Michael Zabanoff und Axel Mendrak reichen für Ischler Ansprüche vollkommen aus. Als Komiker im dritten Akt (seit der Fledermaus eine unverzichtbare Operettenfigur) erscheint der Burgschauspieler Robert Meyer, ein Künstler, der seine prägnante „persönliche Note“ stets mit bester Wirkung einsetzt.

Clemens Höslinger [10.08.2004]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Oscar Straus
1Die Perlen der Cleopatra

Interpreten der Einspielung

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