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CD-Besprechung

J.S. Bach

Cantatas Vol. 13

Challenge Classics CC72213

3 CD • 3h 03min • 2000

25.07.2003

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Es muß für Ton Koopman ein Schock gewesen sein, zu erfahren, daß der Warner-Konzern sein Bach-Kantaten-Projekt rücksichtslos abgebrochen hat. Um so mehr Anerkennung wird der Konsument Koopman dafür zollen, daß dieser Enthusiast das Projekt nicht nur mehr oder weniger auf eigenes Risiko fortsetzt, sondern sogar die Rechte an bereits veröffentlichten CDs aufgekauft hat, damit die Gesamteinspielung schließlich in einheitlicher Form vorliegen kann. Die Wiederveröffentlichung der ersten zwölf Dreier-Boxen hat bei Challenge Classics (Vertrieb: Note 1) bereits begonnen; parallel dazu erscheinen sukzessive die noch ausstehenden Folgen 13 bis 20.

Die Aufmachung ist auf den ersten Blick ansprechender als seinerzeit bei Erato/Warner. Allerdings ist das Beiheft der vorliegenden Folge 13 schlecht redigiert: Orthographie und Silbentrennung lassen zu wünschen übrig, die Angaben zu den einzelnen Kantatensätzen sind unvollständig oder gar falsch (die Alternative zur Baßarie der Kantate BWV 62 erklingt nicht im Anhang, sondern im Hauptteil).

Inhaltlich geht es um den zweiten Kantatenjahrgang, also um die Choralkantaten, die Bach 1724/25 aufführte. Sie werden hier nicht in streng chronologischer Folge präsentiert, sondern auf mehrere Volumina verteilt. In der vorliegenden Box finden sich Publikumslieblinge wie Nun komm der Heiden Heiland BWV 62, Favoriten der Kontrapunktiker wie Aus tiefer Not schrei ich zu dir BWV 38 oder die absoluten Gipfel im Hochgebirge Bachscher Kantatenkunst wie Wer nur den lieben Gott läßt walten BWV 93.

Ton Koopman setzt sein bekanntes interpretatorisches Konzept konsequent fort. Über die vielen von ihm hinzugefügten Triller braucht man nicht mehr zu streiten – man mag sie, oder man mag sie nicht. Besonders gut gelingen ihm immer jene Passagen, in denen Bach instrumental-konzertant schreibt, wo Koopman das ausleben kann, was er selbst einmal als „große katholische Lebensfreude“ bezeichnet hat. Demgegenüber tritt das typisch lutherische Element der Seelsorge etwas zurück. Am deutlichsten wird dies bei Paul Agnew: Der Rezensent schätzt diesen Tenor außerordentlich für seine lyrischen Qualitäten in französischer und englischer Barockmusik, hat aber angesichts der etwas bemühten Textgestaltung Schwierigkeiten, dieses Lob auf Agnews Interpretation mitteldeutscher Kirchenmusik protestantischen Zuschnitts zu übertragen. Uneingeschränkte Zustimmung findet hingegen Koopmans Entscheidung, die Altpartien nicht mehr (wie in den ersten Folgen) von einem Kontratenor, sondern von einer Frau singen zu lassen, was der bessere Ersatz für jenen Stimmtypus ist, den Bach im Ohr hatte, der aber aufgrund des inzwischen erheblich früher einsetzenden Stimmbruchs heute nicht mehr zur Verfügung steht. Franziska Gottwald macht ihre Sache ebenso überzeugend wie Deborah York als Sopranistin. Von allen Solisten hinterläßt aber Klaus Mertens – wieder einmal – mit seiner subtilen Textauslegung und seinem facettenreichen Timbre den besten Eindruck.

Kurzum: Den Bruch, den Warner brutal herbeigeführt hat, konnte Koopman kitten. Im Musikalischen ist – was nicht weiter verwundert – völlige Kontinuität gewahrt; im Editorischen sollte die Chance eines partiellen Neustarts noch besser genutzt werden.

Dr. Matthias Hengelbrock [25.07.2003]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Johann Sebastian Bach
1Wie schön leuchtet der Morgenstern BWV 1 (Kantate)
2Nun komm, der Heiden Heiland BWV 62 (Kantate)
3Herr Christ, der einge Gottessohn BWV 96 (Kantate)
4Aus tiefer Not schrei ich zu dir BWV 38 (Kantate)
5Wer nur den lieben Gott läßt walten BWV 93 (Kantate)
6Allein zu dir, Herr Jesu Christ BWV 33 (Kantate)
7Ich freue mich in dir BWV 133 (Kantate)
8Das neugeborne Kindelein BWV 122 (Kantate)
9Ich hab in Gottes Herz und Sinn BWV 92 (Kantate)

Interpreten der Einspielung

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