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CD-Besprechung

Orfeo C 541 002 H

2 CD • 2h 13min • 1998

01.05.2001

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 7
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Wieviel prachtvolles Bühnenleben steckt in den heiteren Opernwerken der tschechischen Musik, in Smetanas Der Kuß oder in der Verkauften Braut, auch in den volkstümlichen Opern von Dvor*ák! Doch die nationalbewußten Opernmeister strebten andere Ziele an, sie zelebrierten langmächtige, hochtrabende Musikdramen, die sich in grauer Vorzeit abwickeln, sie wollten tschechische Walküren, Siegfriede und Götterdämmerungen schaffen. Das Ziel war hoch, aber auch der Preis, der dafür geleistet werden mußte, denn es gelang nur selten, die wuchtigen Werke über die Grenzen zu transportieren. Sárka, die dreiaktige Oper von Zdenek Fibich (1850-1900) ist dafür ein typisches Beispiel. Ein riesiges Tongemälde, in das nicht nur Wagners Ring, sondern auch der Tristan hineingewirkt hat. Die Titelfigur Sárka ist eine Gewaltpartie, wie sie heute wahrscheinlich außer der Prager Gesangs-Gigantin Eva Urbanová kaum jemand anderer bewältigen könnte. Allein diese überdimensionale Sopranrolle stellt ein eklatantes Aufführungshindernis dar, ein anderes liegt in der Schwäche des Librettos begründet. Anecka Schulzovás Textbuch läßt keine einzige der gängigen Opern-Banalitäten unberücksichtigt. In der Komposition ist jedoch eindeutig die Arbeit eines großen Meisters zu erkennen. Fibich besaß zwar nicht die Gabe, einprägende melodische Themen zu erfinden, dennoch strahlt seine Musik in jedem Moment hohe künstlerische Majestät aus. Interessant, daß auch Leos* Janác*ek eine Sárka-Oper verfaßt hat (sein erstes Bühnenwerk). Janác*ek, nur um vier Jahre jünger als Fibich, hat freilich ganz andere musikalische Pforten aufgeschlossen als sein von Wagner-Musik eingenebelter Zeitgenosse.

Die konzertante Aufführung im Großen Saal des Wiener Konzerthauses bescherte dem Publikum ein großes, eindrucksvolles Erlebnis. Was Sylvain Cambreling mit dem Wiener Radio-Sinfonie-Orchester, dem Konzertchor und den elf tüchtigen Solosängern vollbracht hat, ist als Tat von hoher Bedeutung zu würdigen. Man muß Fibichs Sárka nicht unbedingt zu den Sensationsfunden rechnen, doch kennen sollte man das edelmütige Werk auf alle Fälle. Der Konzertmitschnitt vom 8. Mai 1998 erweist sich somit als perfekter Lehrgang zum Thema Tschechische Nationaloper.

Clemens Höslinger [01.05.2001]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Zdenek Fibich
1Šárka op. 51

Interpreten der Einspielung

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