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Komponisten mit Lebensdaten insgesamt: 3618

Galina Ustvolskaya

* 17.06.1919 Petrograd
† 22.12.2006 St. Petersburg

Die russische Komponistin Galina Ustwolskaja gilt neben Sofia Gubaidulina als bedeutendste Komponistin Russlands des 20. Jahrhunderts. Sie wurde vor 100 Jahren, am 17. Juni 1919, in Petrograd geboren. Ihre Kindheit war geprägt von materiellen Schwierigkeiten. Schon früh zeigte sie eine ausgeprägte Eigenwilligkeit, so blieb sie trotz Tadels oft dem Schulunterricht fern. Als Kind fühlte sie sich unverstanden und war daher die meiste Zeit allein. Sie lernte Violoncello spielen und von 1926 an erhielt sie Musikunterricht an der Leningrader Chorfachschule. Von 1937 bis 1947 studierte sie am Konservatorium in Leningrad (dem späteren Konservatorium Rimsky Korsakov) bei Dmitri Schostakowitsch Komposition.Nach ihrem Abschluss unterrichtete sie dort selbst in Komposition. Von Schostakowitsch erhielt sie während der Sowjetzeit viel Unterstützung gegen die Angriffe von Komponistenkollegen. Außer einigen patriotischen Stücken für offizielle Zwecke wurden bis 1968 keine Werke von ihr aufgeführt. Lediglich ihre Violinsonate von 1952 wurde gelegentlich gespielt. Erst seit etwa den 1990er Jahren wurden ihre Werke immer populärer und fanden besonders im Westen große Verbreitung. 1992 erhielt Ustvolskaya den Heidelberger Künstlerinnen-Preis. Aufführungen ihrer eigenen Musik besuchte sie jedoch nur selten, ins Ausland reiste sie zunächst gar nicht. Erst nach einer Reise nach Amsterdam 1995 unternahm sie auch vereinzelt Reisen in den Westen, war aber nur selten auf Festivals und Konzerten anzutreffen. Sie gab kaum Interviews und lebte äußerst zurückgezogen und vertieft in ihr musikalisches Schaffen. Ihre Heimatstadt St. Petersburg hat sie fast nie verlassen. Sie gilt neben Sofia Gubaidulina als bedeutendste Komponistin Russlands im 20. Jahrhundert. Galina Ustwolskaja komponierte eigentlich zum Selbstzweck. Auftragskompositionen lehnte sie im Prinzip ab, verfasste aber „für Geld‟ Gelegenheitskompositonen, die sie aber nicht als ihre Kompositionen im eigentlich Sinn gelten ließ und nicht in ihren Werkkatalog aufnahm. Insgesamt war sie sehr selbstkritisch und vernichtete auch eigene Werke wieder, wenn sie mit diesen nicht mehr zufrieden war. Auf diese Weise enthält das Gesamtœuvre ihres Werkkataloges nur 25 Werke mit einer Spieldauer von insgesamt ca. sieben Stunden. Über ihr Werk sagt Galina Ustvolskaya selbst: „Meine Werke sind nicht religiös, aber definitiv spirituell, weil ich alles von mir gegeben habe. Meine Seele, mein Herz“. Galina Ustwolskaja war sehr bescheiden, zurückhaltend, beinahe ängstlich. Sie starb am 22. Dezember 2006 in Sankt Petersburg im Alter von 87 Jahren an den Folgen eines Herzinfarkts.

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Galina Ustwolskaja

Die russische Komponistin Galina Ustwolskaja fand in Westeuropa seit der ersten Aufführung ihrer Musik in den Niederlanden 1989 eine breite Akzeptanz und ihr Schaffen hat inzwischen einen selbstverständlichen Platz in den Konzertprogrammen Neuer Musik. Mehr noch: Während sie in ihrer Heimat abgelehnt wurde und sich eher noch dem Vorwurf der Engstirnigkeit entgegenstellen mußte, wird sie hierzulande als außergewöhnlich hervorgehoben. Ihr Œuvre bilde einen „erratischen Block“ im Umfeld des Musikschaffens der Gegenwart. Der Grund dafür liegt in der unnachgiebigen musikalischen Radikalität, um die Galina Ustwolskaja in ihren Werken ringt. Sie fordert körperliche Höchstleistung von den Aufführenden und führt den Hörer an die Grenzen des Auffassungsvermögens. Ihre Musik sei nicht religiös, kommentiert sie, auch wenn Gebete oder liturgische Textur oftmals die Grundlage für ihre Kompositionen bilden. Dagegen sei sie von religiösem Geist erfüllt.

Der Berliner Verlag Ernst Kuhn hat nun den 19. Band seiner Reihe „Studia slavica musicologica“ Galina Ustwolskaja gewidmet. Ihre Schülerin Olga Gladkowa hat sich mit dem Verfassen der ersten Monographie zu Leben und Schaffen der Komponistin keine leichte Aufgabe gestellt. Sie muß auf die theoretische Analyse verzichten, die ihre Lehrerin für ihre Musik ablehnt: „Derjenige, der meine Werke vom theoretischen Standpunkt aus beurteilen und analysieren kann, sollte das im Monolog mit sich selbst tun.“ Zudem erlaubt die Komponistin – mit Ausnahme einiger Lebensstationen – nur wenig Einblick in ihre Biographie.

Olga Gladkowa beschäftigt sich in den neun Kapiteln, abgesehen von einem Interview, mit der Beschreibung je einer Werkgruppe oder eines einzelnen Werks und stellt sie in einen biographischen oder thematischen Zusammenhang. Auf das Oktett für zwei Oboen, vier Violinen, Pauken und Klavier beispielsweise geht sie im Abschnitt über die problematische Beziehung zwischen Ustwolskaja und ihrem Lehrer Dmitri Schostakowitsch ein, der sich besonders hinsichtlich dieses Werks sehr beeindruckt gezeigt hatte. Dies ist eine vorsichtige Handhabung, welche die Musik im Vordergrund beläßt, gleichzeitig aber den Blick auf verschiedene notwendige Aspekte konzentriert. Ungewohnt für westliche Ohren klingt der zu Überhöhungen neigende Stil, der durch allzu zahlreiche huldigende Zitate aus Presse und Programmhefttexten untermauert wird. Doch der Wunsch der Autorin, ihrer Lehrerin zu einem angemessenen Platz in der neueren Musikgeschichte zu verhelfen und auch Ustwolskajas Haltung verleiten dazu. Die Entschlossenheit, mit der die Komponistin ihre Vorstellungen kompromißlos und unerschütterlich umsetzt, beeindruckt. Sie ist um größtmögliche Aufrichtigkeit bemüht, sie geht keine wie auch immer gearteten Zugeständnisse ein, sie läßt sich nicht von Auszeichnungen und sonstigen Attributen der Anerkennung verleiten, Musik zu schreiben, die ihr nicht zutiefst entspricht, sie sucht keine Motivation von außen, um zu komponieren. Damit bedient sie innerhalb der westlichen Rezeption aber auch die Sehnsucht nach „Authentizität“ und somit nach dem trügerischen Ideal eines von Zwängen und bloßen Äußerlichkeiten losgelösten Lebens, das erst wahrhaftig sein kann, wenn es erkämpft wurde. Den Anhang ergänzen das von Ustwolskaja autorisierte Werkverzeichnis und eine Diskographie. Nach den teilweise mühsam zu Diensten geholten Würdigungen gewinnt man doch am Ende den Eindruck, daß diese Auflistung zur Information über die Komponistin Galina Ustwolskaja genügt hätte. Alles weitere ist nur durch eigene Erfahrung erfaßbar ? und zwar durch ihre Musik selbst.

Astrid Konter [1.9.2001]

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