Klassik Heute - Ihr Klassik-Portal im Internet

Über uns | Impressum | Kontakt | Sitemap

Suche

Komponisten mit Lebensdaten insgesamt: 3618

Georg Friedrich Händel

* 23.02.1685 Halle
† 14.04.1759 London

Biographie Diskographie [146] Texte [5] Werke [589]

Text

Junge Musiker Stiftung überzeugt mit Händels "Messias" in Kevelaer

Die frohe Botschaft steht im Mittelpunkt

Ich gebe zu, dass mir die niederrheinische Stadt Kevelaer bisher kein Begriff war. Aber das hängt wohl damit zusammen, dass ich weder Rheinländer noch katholisch bin. Kevelaer, so weiß ich jetzt, ist nach Altötting der zweitgrößte Wallfahrtsort Deutschlands. Schon seit 350 Jahren pilgern die Gläubigen hierher, Heinrich Heine hat sogar ein Gedicht darauf geschrieben. Zu diesem Zeitpunkt stand aber die St. Marien Basilika noch nicht, die erst 1858-64 erbaut wurde, weil die früheren Wallfahrtskirchen die heranpilgernden Menschenmengen nicht mehr fassen konnten. Und entsprechend gigantisch ist das Bauwerk auch geraten, das man in einer Stadt mit 28 000 Einwohnern nicht vermutet. Mehr als 1500 Menschen finden darin Platz. Papst Johannes Paul II. war schon da und Mutter Theresa auch.

In diesem imposanten Kirchenraum, der auch seine akustischen Tücken hat, mit Händels Messias herauszukommen, muß für ein Ensemble junger Musiker als eine große Herausforderung, ja als ein ausgesprochenes Wagstück angesehen werden. Manfred Jung leitete die "Messias"-Aufführung
Manfred Jung leitete die "Messias"-Aufführung
Foto: Peter Zirker
Doch wer nichts wagt, der gewinnt auch nichts. Der eindeutige Erfolg der Aufführung – die Kirche war bis auf den letzten Platz besetzt – ist ein Zeichen dafür, dass die Junge Musiker Stiftung einen richtigen Weg der Nachwuchsförderung eingeschlagen hat, indem sie nicht auf „Events“ setzt, nicht junge Superstars aus dem Hut zu zaubern versucht, sondern Qualität aus solider und kontinuierlicher Aufbauarbeit gewinnt. Das Miteinander ist wichtiger als die Einzelleistung, in fast altmodischer Weise wird der „Dienst am Werk“ in den Vordergrund gestellt. Das ist gerade bei einem so populären Oratorium wie dem Messias, das jeder nur halbwegs bewanderte Musikfreund in erstklassigen Interpretationen im Ohr hat, besonders wichtig.

Und man darf den jungen Musikern, Instrumentalisten wie Sängern, das große Kompliment machen, dass ihnen eine in ihrer Art unverwechselbare Wiedergabe gelungen ist, bei der man in keinem Augenblick an die prominente Konkurrenz dachte und nie veranlasst war, ein Auge oder besser: ein Ohr zuzudrücken. Manfred Jung, der künstlerische Leiter der Junge Musiker Stiftung, sorgte am Pult für einen gut fokussierten und fein ausbalancierten Gesamtklang. Da ging keine Stimme unter. Jungs beschwingte, aber nie eilende Tempi, der englischen Aufführungstradition mehr verpflichtet als der eher pastoralen deutschen, betonten die Diesseitsfreude der Musik. Die frohe Botschaft stand im Mittelpunkt. Die Besetzung mit 21 Musikern, der Händel-Zeit durchaus entsprechend, ermöglichte einen schlanken und transparenten, vonseiten der Streicher warmen und seidigen Orchesterklang.

Die vier Gesangssolisten waren mit Ausnahme des Tenors Teilnehmer des letztjährigen Gesangswettbewerbs Cantilena. Solisten der "Messias"-Aufführung in Kevelaer
Solisten der "Messias"-Aufführung in Kevelaer
Foto: Peter Zirker
Die Sopranistin Sonja Mäsing, bereits im November in Pergolesis Stabat mater positiv aufgefallen, zeigte sowohl die nötige Koloratur-Agilität in Rejoice greatly, o daughter of Zion als auch die lyrische Innigkeit in I know that my Redeemer liveth. Stephanie Hampl, deren klangschöner Alt sich im Riesenraum der Basilika nicht ganz so mühelos durchsetzte, beeindruckte vor allem mit einer gefühlvollen und musikalisch differenzierten Gestaltung der Arie He was despised. Georg Gädker, beim genannten Wettbewerb dritter Preisträger im Konzertfach, setzte für den Basspart seinen hellen, schlanken und äußerst flexiblen lyrischen Bariton wirkungsvoll ein, in der Arie The trumpet shall sound hätte man sich aber doch Farbe und Fülle einer echten Baßstimme gewünscht, zumal das Trompetensolo sehr markant ausgeführt war. Der Kanadier Pascal Charbonneau, dessen frei strömender Tenor Durchschlagskraft mit hoher Phrasierungskultur verbindet, dürfte sich in den nächsten Jahren in die erste Reihe singen.

Ein besonderer Trumpf der Aufführung war die Verpflichtung der Essener Domsingknaben (Leitung: Georg Sump) für den großen Chorpart. Die Essener Domsingknaben in der Basilika St. Marien in Kevelaer
Die Essener Domsingknaben in der Basilika St. Marien in Kevelaer
Foto: Peter Zirker
Ihr Erscheinen war schon optisch ein Fest. Die 8-10 jährigen Vertreter der Sopran- und Altstimmen sahen aus wie barocke Putten, nicht nur ihre Gesichter, auch ihre Frisuren schienen aus einem fernen Jahrhundert zu stammen. Aber die klangliche Präsenz war erstaunlich. Das gilt ebenso für die Tenor- und Bassgruppe, der man nicht anhörte, dass die Sänger den Stimmbruch noch nicht lange hinter sich haben. Natürlich musste am laut bejubelten Ende der pausenlosen Aufführung das Hallelujah noch einmal wiederholt werden, und es spricht für die Spontaneität des Chores, dass es beim zweitenmal noch sprühender und noch klangvoller ertönte.

Im Sommer wird in Bayreuth, am Sitz der Junge Musiker Stiftung, ein weiteres Konzert stattfinden, diesmal auf Orchesterwerke von Mozart und Mendelssohn-Bartholdy konzentriert. Dieses Konzert wird auf Einladung der Schweizer Sponsoren kurz darauf in Bad Ragaz wiederholt.

Ekkehard Pluta [30.1.2008]

weitere Texte

Wenn die Welt auf dem Kopf steht

"Ariodante" als gelungener Beitrag der Oper Halle zu den Händelfestspielen

Für den Anspruch Sachsen-Anhalts, ein Land der Barockmusik zu sein, wird viel Lobenswertes, auch jenseits der beiden Giganten Händel und Bach, unternommen. Telemann (Magdeburg), Schütz (Weißenfels), Fasch (Zerbst) – alle haben mittlerweile ihr Festival.

[Joachim Lange, 13.6.2007]weiterlesen ...

Er kam, sang, und ging wieder

Händels Oper "Giulio Cesare in Egitto" in Göttingen und Köln

Von Georg Friedrich Händels über fünfzig Opern war und blieb sein 1724 im King’s Theater uraufgeführter „Giulio Cesare in Egitto“ die erfolgreichste. Der Komponist war im Vollbesitz seiner Kräfte und er konnte die besten und begehrtesten Kastraten und Primadonnen Europas verpflichten, weil er auch als Unternehmer (noch) die Londoner Opernszene beherrschte.

[Joachim Lange, 1.6.2007]weiterlesen ...

Glück der Tüchtigen

Kammeroper Schloss Rheinsberg: Otto und Theophanu von G.F. Händel

Auch in diesem Jahr steht der Kammeroper Schloß Rheinsberg mit dem die Geschicke des Festivals zur Förderung junger Sänger umsichtig leitenden Komponisten Siegfried Matthus das Glück der Tüchtigen bei Auswahl und Resultat der Veranstaltungsprojekte zur Seite.

[Karl Klebe, 26.7.2004]weiterlesen ...

Erkennungsdienste für Händel

William Christie und Les Arts Florissants bei den Salzburger Festspielen 2000

Den Händelschen Messias kennt der auf Festlichkeit abonnierte Musikfreund längst als Unverzichtbarkeit des großen Repertoires. Aus dem reichen Fundus der übrigen Händel-Opern und -Oratorien konzentriert man sich auf die vokal-instrumentalen Highlights oder man spezialisiert sich – gewissermaßen für den Hausgebrauch – auf das inzwischen doch recht ansehnliche Plattenrepertoire.

[Peter Cossé, 1.8.2000]weiterlesen ...

⇑ nach oben

Impressum Kontakt AGBs Datenschutz Haftungsausschluss Mediadaten Sitemap

© Klassik Heute GbR

jpc