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Wolfgang Helbich


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Quicklebendiges Biotop in der Kirchenmusik

150 Jahre Bremer Domchor

In der Saison 2006/7 feiert der Bremer Domchor sein einhundertfünfzigstes Bestehen, Domkantor Wolfgang Helbich zugleich sein dreißigstes Dienstjubiläum. Aus diesem Anlass lud die Dom Musik, vertreten durch Helbich und ihren Kulturmanager Moritz Puschke, zum Pressegespräch. In dessen Mittelpunkt standen ein Rückblick auf die Saison 2005 und die Aktivitäten zum Chorjubiläum. Um eine Darstellung ihrer Arbeit gebeten, legte Puschke für 2005 eine bemerkenswerte Bilanz vor: „Im letzten Jahr hatten wir etwa 85 Veranstaltungen mit über 35.000 Besuchern.“ Darunter befanden sich Höhepunkte wie das Festival Bremer Bachwochen und die Reihe zum 60. Jahrestag des Kriegsendes, gipfelnd in einer erschütternden Aufführung des War Requiem von Benjamin Britten. Laut Puschke war „der Anteil überregionaler Besucher dabei erfreulich hoch.“ Den größeren Teil der Veranstaltungen machen Kammer- und Orgelkonzerte aus; neben eigenen Chorkonzerten gab es zudem zehn Auftritte fremder Chöre. Dabei arbeitet die Dommusik sehr effizient, wie Wolfgang Helbich herausstellte: „Gut drei Viertel unseres Etats – 2005 etwa 400.000 Euro – bestreiten wir aus eigenen Einnahmen und Drittmitteln. Der Rest besteht aus einer festgelegten Zuwendung des Doms, in der die Organisationskosten und die Zweidrittel-Stelle von Moritz Puschke enthalten sind.“

Auch der ehrenamtliche Aufwand in der Dom Musik ist erheblich: „Wir haben im letzten Jahr nicht nur 16 eigene Chorkonzerte angeboten; der Domchor hat 2005 auch 30 Gottesdienste bestritten – soviele wie sonst wohl nur wenige andere Kirchenchöre,“ lobte Helbich seine gut 150 Sängerinnen und Sänger. Zusammen mit etwa 80 Proben summiert sich dieses Engagement auf sage und schreibe 600 Stunden Arbeit pro Nase. Dabei ist es gerade dies, was die musikbegeisterten Choristen erst motiviert, so Moritz Puschke: „Die hohe Anzahl jährlicher Darbietungen immer wieder gern gesungener Messen und Oratorien von Bach bis Verdi, erarbeitet in konzentrierten Probenphasen, macht den besonderen Reiz des Domchors aus. Nur durch diese Attraktivität läßt sich auch die hohe Anzahl von mitgesungenen Gottesdiensten halten.“ Da gelegentlich auch Konzertreisen und CD-Einspielungen hinzukommen, würdigte Henning Scherf als Vorsitzender des Freundeskreises „Musik am Bremer Dom e.V.“ in seinem Jubiläums-Grußwort zu Recht: „Der Domchor ist einer der wichtigsten Botschafter für Bremen und aus unserer musikalischen Landschaft nicht wegzudenken.“ Dies gilt umso mehr, seit Helbich und Puschke die konzeptionelle Entwicklung der Domsingschule vorgenommen haben, die nun von Ilka Hoppe geleitet wird. Denn hier wird nicht nur der Chornachwuchs gefördert: Das gemeinschaftliche Singen trägt entscheidend zur „musikalischen Allgemeinbildung“ bei und ist von vitalem Interesse – nicht zuletzt für den Erhalt eines verständigen Konzertpublikums. Die Domgemeinde kann sich glücklich schätzen, in Puschke einen Manager zu haben, der nicht nur dem leitenden Kirchenmusiker organisatorisch zuarbeitet. Seine Aufgaben umfassen das gesamte Zeit- und Finanzmanagement der Chöre und aller gastierenden Musiker, Werbung, Marketing, PR- und Gremien-Arbeit; Puschke ist auch mit der Einwerbung von Drittmitteln sowie gemeinsam mit Wolfgang Helbich für die Projekt-Konzeption und Gesamt-Ausrichtung der Dom Musik befasst. Für die Sicherstellung dieses überlebensnotwendigen professionellen Musik-Managements ist darüber hinaus Edda Bosse als zuständige Bauherrin verantwortlich.

Die Dom Musik bietet zum Chorjubiläum in den kommenden Monaten die Möglichkeit, ihre im norddeutschen Raum vorbildliche Arbeit in ganzer Bandbreite kennenzulernen. „Ich wollte Eckpunkte setzen – Traditionelles wie Bruckners Te Deum und Händels Messias, Hauptwerke der alten Musik, aber auch Modernes wie die Chichester Psalms von Leonard Bernstein,“ teilte Helbich mit. „Besonders glücklich bin ich darüber, dass beim Brahms-Requiem – das übrigens Brahms selbst 1868 im Bremer Dom uraufgeführt hat – am 26. November die Bremer Philharmoniker mitwirken. Die übrigen Konzerte bestreitet wie immer bei uns die Kammer Sinfonie Bremen. Mit diesem Orchester sind wir absolut selig. Es ist hervorragend aufeinander eingespielt und so flexibel, dass wir jetzt – zum Beispiel bei der Marienvesper von Monteverdi – auch auf alten Instrumenten musizieren können.“ Die wechselvolle Geschichte des Domchors wird durch eine Buchveröffentlichung sowie Vorträge und Gespräche thematisiert; einer der Schwerpunkte soll die Zeit zwischen 1933 und 1945 sein. Außerdem erklingen am 24. Februar unbekannte Kompositionen Bremer Dommusiker. Helbich präsentiert insbesondere „als Erstaufführung eine Sinfonie von Carl Reinthaler – ein Zeichen seiner Kunst, mit einem Orchester umzugehen und große Formen zu meistern.“ Solche Schätze macht er seit Jahren zugänglich – nicht nur in Form von Aufführungen und CD-Einspielungen, sondern auch in Notenausgaben: Solche Werke liegen lediglich als Manuskript oder auf Mikrofilm vor; Helbich muß davon im Computer-Notensatz stets ein modernes Aufführungsmaterial herstellen. Doch die Mühe lohnt: „Ich war selbst erstaunt, wie viel gute Musik bei uns im Archiv liegt, darunter zum Beispiel das Ehre sei Gott von Wilhelm Friedrich Riem, den sogar Beethoven schätzte – ein richtig schmissiger Hit, den wir auch auf unserer neuen CD eingespielt haben.“ Dabei handelt es sich um eine Produktion mit Werken des im Dom seit 80 Jahren traditionellen Weihnachtsliederabends, die aus Anlass des Chorjubiläums im November 2006 bei CPO erscheint (cpo 777 238-2), wo übrigens auch weitere Aufnahmen unter Wolfgang Helbich erhältlich sind.

Zur Eröffnung der Feierlichkeiten präsentierte der Domchor im Rahmen eines Festgottesdienstes am 5. November Bruckners Te Deum. Am 11. November ist die Marienvesper von Claudio Monteverdi zu hören. Das Deutsche Requiem von Johannes Brahms am 26. November wird von den Bremer Philharmonikern begleitet; die Soli übernehmen Cornelia Samuelis und Armin Kolarczyk. Am 17. Dezember folgt Händels Messias, am 22. Dezember der Weihnachtsliederabend (mit CD-Präsentation). Im Sylvesterkonzert am 31. Dezember klingt das Jahr mit der ersten Sinfonie und der f-Moll-Messe von Anton Bruckner aus. Mit Ausnahme des Brahms-Requiem werden alle Konzerte von der Kammer Sinfonie Bremen begleitet, fallweise (Monteverdi; Händel) auf alten Instrumenten. Alle Konzerte finden um 20 Uhr im Bremer Dom unter Leitung von Domkantor Wolfgang Helbich statt.

Benjamin G. Cohrs [6.11.2006]

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